Lustre in der Box
Es muss nicht immer nur Performance sein. Seit jeher tritt Lustre an als Dateisystem für die Superlative: höchste Bandbreite, größte Kapazität, beste Skalierbarkeit – oder zumindest mit dem Anspruch darauf. Umso bemerkenswerter ist daher ein Blick durch die Pressemitteilungen der letzten Monate, denn dort liegt Lustre als Basis von Appliances klar im Trend. Zu DDN ExaScaler gesellen sich nun unter anderem Xyratex ClusterStor 3000 sowie die auf Terascalas Management-Software aufbauenden Systeme von Dell und EMC. Auch Whamclouds kürzlich angekündigte, integrierte Verwaltungssoftware Chroma folgt letztendlich dem Appliance-Gedanken. Dahinter steht die simple Überlegung, dass menschliche Arbeitskraft teuer ist, der Betrieb eines Speichersystems also umso weniger Kosten verursacht, je einfacher es zu administrieren ist. Umgekehrt ist Lustre in HPC-Kreisen bislang nicht gerade als Synonym für einfache Administrierbarkeit bekannt.
Die Appliances versuchen das zu ändern und Lustre-Performance für jedermann zur Verfügung zu stellen. Wobei offenbar keiner der Hersteller versucht, das Problem an der Wurzel zu packen und Lustre selbst benutzerfreundlicher zu gestalten. Vielmehr sollen standardisierte Hardware, zentrale Administrationsschnittstellen und übersichtliche Weboberflächen dem verteilten Dateisystem seinen Schrecken nehmen. Fundamentale Schwachstellen aber bleiben so unangetastet: Nach wie vor lassen sich Daten nicht transparent zwischen Speicherbereichen migrieren, nach wie vor benötigen Änderungen an der Netzkonfiguration eine Downtime des gesamten Dateisystems, nach wie vor gibt es keine Möglichkeit für konsistente Backups, um nur einige Beispiele zu nennen.
Die neuen Appliances sind daher sicher sinnvolle Ergänzungen der Palette an Lustre-basierten Produkten. Sie machen es möglich, ein schnelles Dateisystem aufzusetzen, ohne selbst ausgewiesener Lustre-Experte zu sein. Aber sie ersparen dem Administrator nicht die Abstimmung mit den Anwendern, die Ankündigung von Wartungsfenstern, wenn Routinearbeiten am Dateisystem anstehen. Je nach Betriebsmodell kosten diese Aufwände Zeit oder bares Geld. Andere Dateisysteme erlauben dem Administrator hier bereits deutlich mehr Aufgaben im Hintergrund, ohne Interaktion mit den Anwendern durchzuführen, kommen aber im Gegensatz zu Lustre nicht zum Nulltarif. Ob das unter dem Strich die sinnvollere Investition ist, diese Rechnung muss freilich jeder selbst aufmachen.
Kategorien
Administration, Dateisystem, Hardware, Middleware, Storage
Schlagwörter
Appliance, Filesystem, Lustre

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